Kybernetik - was ist das?Kybernetik

Eine verständliche Einführung

Linear Programming

"Linear Programming" ist eine Methode, mit deren Hilfe man etwa das Produktionsprogramm eines Unternehmens so einrichten kann, daß der Gewinn des Unternehmens ein Maximum wird. Gleichzeitig kann man in Form von Randbedingungen festhalten, daß dem Unternehmen nur beschränkte Mittel (Kapital, Produktionskräfte etc.) zur Verfügung stehen. Das Modell verarbeitet auch Randbedingungen, die sicherstellen, daß von gewissen Produkten eine Mindestzahl hergestellt werden muß und daß gewisse vom Markt gegebene Maximalforderungen nicht überschritten werden dürfen.
Die Lösung solcher Probleme erfordert bei realistischen Modellen, die einigermaßen groß sind, den Einsatz eines Computers, der bei sehr großen Modellen ohne weiteres 10 - 12 Stunden zu rechnen hat. Diese Zahl liefert einen interessanten Einblick in die Leistungsfähigkeit eines Computers.
Nehmen wir an, ein Computer benötige zur Durchführung einer Instruktion etwa 10 Mikrosekunden. Diese Zahl ist für einen größeren Computer durchaus realistisch. Er kann also in einer Sekunde 100 000 Instruktionen (Additionen, Subtraktionen etc.) durchführen. In einer Minute sind das 6 Millionen Instruktionen und in 10 Stunden rund 3,5 Milliarden Befehle.
Sollen wir diese Zahl auf die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns umrechnen? Dazu nehmen wir an, daß das menschliche Gehirn besser organisiert ist als ein Computer und nur 10% der Computerbefehle durchführen muß. Das sind dann immer noch 350 Millionen. Weiter nehmen wir an, daß der Mensch 5 Befehle in der Minute durchführt. Diese Zahl ist realistisch; er muß sehr viel schreiben, weil sein Gehirn bei weitem nicht alle auftretenden Zahlen speichern kann. Ein Mensch würde also 70 Millionen Minuten zur Lösung des Problemes brauchen. Dies ist etwa eine Million Stunden oder 40 000 Tage oder, grob gerechnet, 100 Jahre.
Natürlich könnte man auch 100 Menschen ein Jahr rechnen lassen. Aber das würde bedeuten, daß diese Tag und Nacht nur rechnen dürfen, daß sie richtig rechnen müssen und daß es gelingt, diese hundertfache Rechnerei zu organisieren. Zumindest muß aber der Industriebetrieb ein Jahr warten.
Man darf Zweifel haben, ob eine menschliche Gruppe von Rechnern diese Aufgabe überhaupt leisten kann, so daß hier - und das ließe sich an vielen anderen Beispielen genauso demonstrieren - eine echte Überlegenheit des Computers, des Automaten auftritt.
Falls man konzediert, daß zur Lösung der oben angegebenen Aufgabe Intelligenz erforderlich ist, simuliert der Computer diese Intelligenz. Er hat "instrumentielle Intelligenz". Sie ist der menschlichen Intelligenz in diesem Falle und zur Erreichung dieses Zieles ohne Zweifel überlegen. Der Computer wirkt, wie sich Ross Ashby ausgedrückt hat, als Intelligenzverstärker. Dies ist eine interessante Formulierung für einen wichtigen Sachverhalt. Viele der heute anstehenden Probleme lassen sich effektiv nur dann lösen, wenn es dem Menschen gelingt, seine Intelligenz um ein Vielfaches zu steigern - vor allem in Situationen, in denen das menschliche Gehirn, zu langsam, zu unsicher oder zu träge ist. Die Weltraumfahrt ist ein Musterbeispiel für eine solche Anwendung. Aber bereits beim Fliegen eines modernen Düsenflugzeuges reicht die menschliche Intelligenz nur noch bedingt aus, um sich so rasch anzupassen, wie es die sich rasch ändernden Verhältnisse erfordern.

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